- - - Anzeigen - - -
 

Galonska, Gerd

Über den eigenen Schatten springen

Menschenschattenspiel im Musikunterricht - Ideen, Anregungen und Übungen für die Klassen 5 bis 8


Rubrik: Aufsatz
erschienen in: klasse musik 1/2002, Seite 14


Seit langem schon ist das Menschenschattentheater innerhalb und außerhalb der Schule beliebt: In allen Schularten und sogar im Kindergarten, in der Familie, der Erwachsenenbildung und in verschiedenen therapeutischen Zusammenhängen wird inzwischen damit gearbeitet. Der folgende Beitrag vermittelt die technischen Voraussetzungen und gibt erste Anregungen, wie mit dem Menschenschattenspiel im Musikunterricht gearbeitet werden kann.

Die Leinwand ist noch unbeleuchtet, leise orientalische Musik erklingt und die Stimme eines Märchenerzählers berichtet von einem Geist in der Flasche ... Licht an! Auf der Leinwand ist der Schatten einer menschlichen Gestalt in einer großen Flasche zu sehen, der versucht, sich aus seinem Gefängnis zu befreien. Ein Raunen geht durch das Publikum. Der Effekt ist verblüffend - und doch so simpel: Auf dem Overheadprojektor liegt eine grüne Weinflasche und an der Leinwand steht der "Flaschengeist". Das Bühnenbild wird mit einem Handgriff gewechselt (ein Streifen einer Gardine mit dezentem Muster wird auf die Projektionsfläche gelegt und sorgt für eine märchenhafte Atmosphäre): In einem Schloss sitzt die Hauptperson des Stücks einem Sultan gegenüber. Eine "Bauchtänzerin" - gespielt von einem 15-jährigen Jungen - bewegt sich zu entsprechender Musik. Im fünften Akt schwebt ein bunter Heißluftballon (Folienbild) über die Leinwand und in der Gondel (auf der Folie abgeklebter Bereich) erkennt der Zuschauer tatsächlich eine Gestalt ...

Ein Schattendasein führt die hier beschriebene Form des darstellenden Spiels nicht gerade. Seit langem schon ist das Menschenschattentheater innerhalb und außerhalb der Schule beliebt. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass es sogar in vergangenen Epochen verschiedene Formen dieses Genres gab. Und ein Blick in die Literatur oder ins Internet macht klar, dass das Interesse daran zunimmt. Deutlich wird dabei, dass mit dem Personenschattenspiel in allen Schularten und sogar im Kindergarten, in der Familie, der Erwachsenenbildung und in verschiedenen therapeutischen Zusammenhängen gearbeitet werden kann.

Das oben stehende Beispiel kann nur im Ansatz die Methodenvielfalt des Multimediums Schattenspiel verdeutlichen. Für LehrerInnen und SchülerInnen gleichermaßen beeindruckend ist jedenfalls die Tatsache, dass mit wenig technischem Aufwand hervorragende Effekte erzielt werden können.

Der folgende Beitrag soll erste Anregungen geben, wie mit dem Menschenschattenspiel gearbeitet werden kann. Für die Erprobungsphase bedarf es keines großartigen Equipments oder aufwändiger Vorbereitungen. Zu beachten wären lediglich einige besondere Merkmale des Personenschattenspiels im Vergleich zu anderen Theaterformen:

- Nur die Schatten der DarstellerInnen sind zu erkennen (zweidimensionale Darstellung).
- Eine Leinwand sorgt für eine Trennung zwischen Zuschauerbereich und SchauspielerInnen. Damit haben die Akteure die Chance, viele neue Bewegungs- und Spielerfahrungen zu machen, ohne zu sehr im Vordergrund zu agieren, was besonders für SchülerInnen mit wenig Erfahrung im szenischen Spiel sehr hilfreich sein kann. Das gilt ebenfalls für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, die sich in schwierigen Entwicklungsphasen befinden.

- Die SchauspielerInnen müssen nicht sprachlich agieren. Kommentiert wird das Geschehen durch einen Sprecher oder mit Hilfe von zuvor erstellten Aufnahmen. Vor allem durch Musik (live oder vom Tonträger) kann Bewegung initiiert werden, aber auch eine rein pantomimische Darstellung ist denkbar.

- Verfremdungen durch unterschiedliche Materialien und Requisiten sowie durch technische Manipulationen mit der Lichtquelle führen ohne großen Aufwand zu effektvollen Inszenierungen.

Technik und Material
Was wir brauchen? Eine Lichtquelle, eine Leinwand und einen verdunkelbaren Raum. Und schon können wir beginnen!

Licht
Von der einfachen Glühbirne über Schreibtischlampen, Videoleuchten (auf einem Stativ), Halogenflutern, Overhead-, Dia- und Filmprojektoren, Epidiaskopen bis hin zu modernen Beamern, mit denen sogar eine Projektion von Computerbildern möglich ist, kann alles zum Einsatz kommen, je nach vorhandenen Möglichkeiten und Ansprüchen. Aber um die ersten Versuche mit diesem Medium zu machen, reicht eine einfache Beleuchtung völlig aus. Spezielle Beleuchtungseffekte können selbst mit Taschenlampen oder Kerzen erzielt werden. Auch das Experimentieren mit farbigem Licht hat seinen Reiz (farbige Lichtstrahler, Farbfolien vor Bühnenscheinwerfern oder auf dem Overheadprojektor, Einsatz von Glasmalfarben u. ä.).

Der Scheinwerfer wird im hinteren Bühnenbereich positioniert. Je nach räumlichen Gegebenheiten muss ausprobiert werden, welche Distanz zur Leinwand nötig ist, um befriedigende Einstellungen zu erhalten (s. Abb. 1).

Projektionsfläche
Die Leinwand kann aus einer großen Tischdecke oder einem Bettlaken bestehen, das wäre für die ersten Versuche schon ausreichend. Mehr Möglichkeiten bietet natürlich eine größere Fläche (mehrere zusammengenähte Bettlaken), die zwischen Kartenständern oder zwei Wänden aufgespannt werden (an einem Seil, einer Holzlatte oder mit Hilfe einer Aluminiumstange). Im Fachhandel gibt es schon Spezialfolien und dazugehörige Einspannvorrichtungen. Wichtig ist, dass die genutzte Fläche möglichst faltenfrei ist, um Konturen besser darstellen zu können.

Eine Schattenleinwand mit den Maßen fünf mal drei Meter hat sich in meiner unterrichtlichen Praxis bewährt.

In der Erprobungsphase genügt eine wie auch immer kombinierte Ausstattung von Lichtquelle und Trenn- bzw. Projektionswand. Bei einer Präsentation sind links und rechts der Leinwand jedoch Sichtblenden (lichtundurchlässig) erforderlich, da die Organisation des Schattenspiels für den Zuschauer nicht erkennbar sein sollte - sonst würde vieles an Faszination und Imagination auf der Strecke bleiben.

Jetzt wird es praktisch
Oft kommt es beim Spiel mit Licht und Schatten ganz zufällig zu tollen Ergebnissen und erstaunlichen Effekten. Ich möchte ausdrücklich dazu ermuntern, kreativ mit diesem Medium umzugehen, auszuprobieren, zu improvisieren, um über viele selbstgemachte Erfahrungen zu eigenen Spielideen zu kommen. Auch der Austausch mit "schattenspielerprobten" KollegInnen ist sehr zu empfehlen, weil dadurch das eigene Repertoire sehr schnell erweitert werden kann.

Die ersten Erfahrungen mit dieser Theaterform sollten jedoch nicht dem Zufall überlassen werden. Dabei ist eine sorgfältige Planung unumgänglich, weil hier Grundkenntnisse erworben werden sollen und andere Gesetzmäßigkeiten als im "normalen" Theater zu berücksichtigen sind.

Kennenlernen der Schattenspielbühne
Die Lichtquelle ist eingeschaltet, die Leinwand beleuchtet. Jetzt kann zunächst die Größe der Schatten verändert werden. Direkt an der Leinwand sind die Schatten am kleinsten; je näher die Person an die Lichtquelle geht, desto größer wird der Schatten auf der Projektionsfläche (aber auch mit geringerer Konturenschärfe).

Riese und Zwerg: Mit Hilfe dieser Technik kann jetzt der Schatten eines kleineren Schülers, der näher an der Lichtquelle steht, riesengroß werden, während eine große Person (direkt an der Leinwand) dagegen eher unscheinbar wirkt. Mit dieser Übung wird verdeutlicht, dass - will man gleichbleibende Größendarstellungen haben - sich alle SchülerInnen auf einer Spiellinie bewegen müssen (parallel zur Leinwand mit etwa 50 cm Abstand), die entsprechend durch Klebestreifen markiert wird.

Auch muss allen AkteurInnen klar werden, dass die SpielerInnen, deren Schatten nicht auf der Leinwand erscheinen sollen, eine "Tabuzone" nicht betreten dürfen, weil sonst eine Projektion stattfindet (auch diesen Bereich möglichst durch einen Klebestreifen kennzeichnen).

Sieben Übungen für den Anfang

Übung 1
Eine beliebte Übung für das Kennenlernen dieser Theaterform ist die Schattenpolonaise. Hierbei sind die SchülerInnen sowohl SchauspielerInnen als auch ZuschauerInnen. Die Gruppe bewegt sich im "Gänsemarsch" an der beleuchteten Leinwand entlang (möglichst keine hastigen Bewegungen). Während die ersten AkteurInnen das Geschehen auf der Leinwand schon aus der Sicht des Publikums betrachten, sind die anderen DarstellerInnen noch dabei, sich in Szene zu setzen. Man bewegt sich quasi im Kreis um die Projektionsfläche herum (siehe Abb. 2). Das kann zunächst freier  - also ohne besondere Vorgaben - passieren, dann aber auch unter bestimmten Aufgabenstellungen, z. B.: "Bewegt euch wie

- ein(e) vornehme(r) Dame/Herr,
- ein fröhliches/trauriges/ängstliches/
wütendes/müdes oder beleidigtes Kind,
- zwei gute Freunde, die sich treffen (Partnerarbeit),
-  ein stolzer/alter/tanzender Indianerhäuptling,
- ein Roboter/ein Muskelprotz/ein Frosch/ein Storch,
- ein tollpatschiger Clown."

Übung 2
Eine Verbindung zum Fach Deutsch kann hergestellt werden, wenn die Ergebnisse aus der Arbeit im Wortfeld "gehen" szenisch umgesetzt werden: gehen, laufen oder joggen, schreiten, marschieren, schlendern, huschen, schleichen, kriechen, stolzieren, stolpern, schlurfen, tänzeln, torkeln, flitzen, tippeln, latschen usw.

Dazu könnte versucht werden, die passende Musik zu diesen Aktionen zu suchen (z. B.: "Passt die Musik der Promenade aus den Bildern einer Ausstellung besser zum Wort Schreiten oder Schlendern").

Auch können zum Wortfeld kleine Szenen gespielt werden: Mutter und Kind, Großvater/-mutter und Enkel, SeiltänzerIn, Liebespaar, Mensch mit Hund, Riese und Zwerg, Rockergang, Seniorenverein, Modenschau, Karnevalsumzug, Menschen auf dem Glatteis etc.

Durch derartige Übungen können Defizite in Bewegungs-, Wahrnehmungs-, Ausdrucks- und Kommunikationsfähigkeit zumindest reduziert werden.

Übung 3
Ein weiteres Beispiel für eine Übung, bei der überlegt werden muss, wie der Inhalt einer Geschichte unter besonderen Bedingungen (Zweidimensionalität, kein Überlappen der Schatten etc.) umgesetzt werden kann - gespielt werden sollte wieder in Form eines Rundlaufs/einer Polonaise oder in zwei oder drei Gruppen (je nach Klassenstärke), damit durch die Rückmeldungen Korrekturen vorgenommen werden können: Wir benutzen einen Overheadprojektor. Eine Folie mit abgebildeten Bäumen und Sträuchern sorgt im Handumdrehen für das Bühnenbild. Mit meiner AG benutzte ich statt einer Folie einmal eine alte Gardine mit einem dezenten Muster aus dünnen Zweigen und länglichen Blättern, was auf der Leinwand zu einem urwaldähnlichen Dickicht "mutierte". Dazu noch die passende Musik (HB 4), und schon kann sie starten, die Urwaldexpedition (s. M 1). Natürlich kann hier, gerade bei größeren Gruppen, mit einigen SchülerInnen auch live musiziert werden. Zur Rahmenhandlung würden etwa Rhythmen auf diversen Trommeln oder anderen Percussionsinstrumenten passen. Aber im Sinne einer Verklanglichung wäre auch der Einsatz von Keyboards oder Effektinstrumenten denkbar, ja ganze Klangcollagen können erstellt werden, um die szenische Darstellung zu untermalen.

Übung 4
Vereinfachung, Übertreibung und Verlangsamung sind wesentliche Prinzipien des Körperschattenspiels. In der Übung "Schattenspiegel" stehen sich die SchauspielerInnen paarweise auf beiden Seiten der Projektionswand gegenüber. Zu ruhiger Musik führt der "Schatten" sehr langsame Bewegungen aus, die von seinem Gegenüber synchron imitiert werden. Das kann zunächst im Stand passieren, dann aber auch langsam an der Leinwand entlang, damit auch größere Gruppen beschäftig werden können.

Übung 5
Ein häufig benutzter Effekt im Rahmen von Einführungsspielen ist die Darstellung der Hydra (in der altgriechischen Mythologie ein schlangenähnliches Ungeheuer mit neun Köpfen) oder einer indischen Gottheit mit vielen Armen: Dazu stehen drei oder vier SpielerInnen hintereinander im rechten Winkel zur Leinwand und genau vor der Lichtquelle - so ist für den Zuschauer nur ein Schatten erkennbar. Zu entsprechender  Musik tauchen dann - je nach Aufgabenstellung - zunehmend mehr Arme und/oder Köpfe auf.

Übung 6
Kurze Szenen und Sketche wie "In der S-Bahn"/"Im Bus" eignen sich gut, um gemeinsame, synchrone Bewegungen als Gruppe durchzuführen. Wenn das Fahrzeug in die Kurve geht, unerwartet bremst, ruckartig anfährt oder an der nächsten Haltestelle plötzlich sehr viele Fahrgäste dazusteigen. Letzteres kann

u. U. dazu führen, dass - wenn nicht die Gesetzmäßigkeiten des Schattenspiels berücksichtigt werden - die ZuschauerInnen nur einen großen Schattenklumpen zu sehen bekommen.

Übung 7
ZuschauerInnen auf der Tribüne bei einem Tennisturnier oder einem Fußballspiel: Die AkteurInnen sitzen parallel zur Leinwand auf Stühlen. Die Augen folgen dem Spielverlauf (Köpfe schwenken hin und her). Hin und wieder springen die Fans auf, jubeln stumm, wenn ein Tor fällt oder ein Punkt gewonnen ist, schimpfen pantomimisch auf den Gegner oder auf eine Schiedsrichterentscheidung, schwingen Fähnchen oder Transparente, schunkeln zu We are the Champions von Freddy Mercury, wenn die eigene Mannschaft gewonnen hat, oder gehen im Falle einer Niederlage geknickt von der Bühne.

Beispiel: "Kulturabend für Eltern"
Um noch einmal zu demonstrieren, mit welch geringem Aufwand man etwa einen Elternabend mit Schattenspieleinlagen auflockern oder mit einem Auftritt einen Beitrag für das Schulfest leisten kann, hier ein Beispiel aus meiner Praxis: SchülerInnen aus den Klassen 6 bis 8 planten mit mir einen "Kulturabend für die Eltern". Als Auftakt gab es ein "Konzert" mit einem berühmten Dirigenten, der im Profil zu sehen war. Perücke, Brille, Frack und Taktstock sowie ein Notenpult waren die Requisiten. Musik ab! Jetzt dirigierte dieser Zwölfjährige mal wild gestikulierend, mal dezent und einfühlsam den Aufmarsch der Löwen aus dem Karneval der Tiere von Camille Saint-Saëns. Noch blieb es klassisch - neue Szene: Barocke Flötenmusik ertönt, zu sehen ist ein prachtvoll gedeckter Tisch mit einem großen Kerzenständer, Teller, Bestecke und Gläser stehen bereit. Ein Mann und eine Frau sitzen sich am Tisch gegenüber. Für das historische "Outfit" sorgten je eine Perücke und um das Handgelenk gewickelte Gardinenspitzen. Das Paar prostete sich zu, ein vornehmer Diener sorgte für gefüllte Weingläser und entsprechende Köstlichkeiten auf dem Teller. Es würde zu weit führen, alle Szenen im Detail zu schildern. Es traten noch ein Schlangenbeschwörer, ein Fakir und ein Schwertschlucker auf (alles ungefährlich und in Sekunden zu lernen). Es folgte eine Gruppe von Mexikanerinnen, die mit feurigen Tanzschritten das Parkett zum Beben brachten. Abschließend tobten "Die toten Hosen" zu einem Playback über die Bühne; sie haben sich allein beim Imitieren der Musik so verausgabt, dass es eine helle Freude war, die Schatten der AkteurInnen und der Instrumente über die Leinwand "fliegen" zu sehen.

Effekte mit dem Overheadprojektor
Der Overheadprojektor ist bei Anhängern des Schattenspiels wohl die beliebteste Lichtquelle, weil er sich besonders gut für das Initiieren verschiedenster Effekte eignet. Außerdem ist er besonders lichtstark. Bei einigen Geräten kann die Lichtstärke verändert werden ("Dimmer" sind im Fachhandel erhältlich).

Atemberaubend schnell kann das Bühnenbild gewechselt werden. War eben noch der Flaschengeist in seinem Gefängnis, so könnte in der nächsten Szene eine einfache Farbfolie oder aufgelegte Chiffontücher die Leinwand verändern. Kurz darauf wird vielleicht eine Folie mit aufgemalten Bäumen projiziert und die SchauspielerInnen können durch einen Wald laufen. Hier werden möglicherweise Menschen gefangen und im Handumdrehen sitzen sie in einem Käfig (Maschendraht oder grobe Gardine auf dem Tageslichtprojektor; s. Abb. S. 22), aus dem sie so schnell nicht wieder herauskommen. Dunkle Folien mit vielen kleinen Löchern ergeben einen glitzernden Sternenhimmel. Ein "Zwerg" weicht einem Zahnstocher aus, der durch die Projektion auf die Leinwand wie ein riesiger Speer aussieht.

Bei einem Marsch durch einen Zauberwald musste einer meiner DarstellerInnen vor einem Monstrum mit riesigen Stacheln flüchten. Und was lag auf dem Projektor? Eine alte Pelzmütze, die ich mit der Hand bewegt habe (auch eine Federboa eignet sich sehr dafür). Man kann Schablonen fertigen und auflegen oder mit Alltagsmaterialien besondere Manipulationen vornehmen (z. B. Luftpolsterfolien von Versandtaschen ...).

Ich habe hier nur wenige Beispiele genannt. Mit etwas Fantasie und dem Mut, vieles auszuprobieren, sind unglaublich schöne Bilder möglich.

Musik beim Menschenschattenspiel
Während die Aufführungen der Figurenschattenspieler auf Bali und Java traditionell von den Klängen eines Gamelan-Orchesters begleitet wurden und werden, müssen wir uns eigene Wege suchen, um Schattenspiel und Musik miteinander zu verknüpfen.

Musik hat bei allen Formen des Schattentheaters einen hohen Stellenwert. Sie kann
- Atmosphäre schaffen,
- Bewegung initiieren oder
- auf die Spielhandlung reagieren.
Hier nun ein paar Beispiele für die Verknüpfung von Musik und Szene in einfachen "Anwärmübungen". Die SchülerInnen finden sich in Paaren oder Kleingruppen zusammen und teilen sich in MusikerInnen und DarstellerInnen auf. Sie ziehen eine der Karten (die Karteikarten sind im Heft abgebildet und können als PDF auf musikpaedagogik-online.de von AbonnentInnen heruntergeladen werden - M 2/Vorderseite/grau umrandet und M 3/Rückseite/schwarz umrandet - auf einen festen Karton kopieren), lesen die Anweisungen, besprechen sich kurz und führen die geforderten Aktionen aus. Die Führung übernimmt  entweder die Musik (M 2a) oder die szenische Darstellung (M 2b).

Mit derartigen Übungen kann viel in Partner- oder Kleingruppenarbeit trainiert werden. Die TeilnehmerInnen sind gezwungen, wollen sie zu guten Ergebnissen kommen, sich gut abzusprechen, bei der Ausführung gut miteinander zu kooperieren und sich sehr zu konzentrieren.

Das Schlusswort überlasse ich einem Kenner der Schattenspielszene, Gerd Haehnel, der gerade zum Einsatz dieser Theaterform im schulischen Bereich viel veröffentlicht hat: "Didaktiken und Lehrpläne fordern immer häufiger das fächerübergreifende Arbeiten! Beim Menschenschattenspiel finden die musischen Künste schon lange beinahe von selbst zueinander. Gibt es ein geeigneteres Medium für die unkomplizierte, fast voraussetzungslose fächerübergreifende bzw. fächerverbindende Zusammenarbeit?"

 

M 1: Urwaldexpedition

Ihr seid auf einer Expedition im Urwald, mitten im tiefsten Dschungel. Alles ist zugewachsen. Euer Führer schlägt mit einem Buschmesser eine Schneise. Ihr geht hintereinander und folgt ihm durch das dichte Gestrüpp. Mühsam bahnt ihr euch einen Weg.

Halt! (evtl. Musikstopp) - da war doch ein Geräusch! Nicht bewegen! Es kann weitergehen. Jetzt wird es schlammig und feucht. Ihr kommt nur langsam voran, denn bei jedem Schritt sackt ihr in den weichen Boden. Ihr schwitzt ... Moskitos belästigen euch ... Ihr versucht, sie abzuwehren ...

Ihr kommt an einen Fluss. Zuerst könnt ihr noch von einem Stein zum anderen springen ... Dann müsst ihr durch das knietiefe Wasser waten ... Was ist das da hinter euch? Ein Baumstamm, der im Wasser treibt? Nein, ein Krokodil! Nichts wie weg!

Jetzt wird der Weg durch das Unterholz fortgesetzt ... Was ist denn da oben in den Bäumen los? Affen! Achtung, sie werfen mit Kokosnüssen! Schnell weg hier!

So, erst einmal verschnaufen. Ach herrje, ihr steht direkt an einem Termitenhügel. Jetzt müsst ihr die Tierchen abschütteln.

Und die Wanderung wird fortgesetzt. Vorsicht, nicht bewegen! Da hinten am Rande der Lichtung steht eine Raubkatze. Wir schleichen sehr leise weiter.

Die Luft ist sehr drückend und der Weg wird steiler. Ist das anstrengend!
Einige TeilnehmerInnen haben sich den Fuß verstaucht oder haben Blasen an den Füßen. Ihr müsst euch jetzt gegenseitig behilflich sein, denn ihr sollt es gemeinsam schaffen.

Das Camp ist erreicht. Mit letzter Kraft schleppt ihr euch zu den Schlafplätzen oder an die Wasserstelle. Einige verschwinden gleich im Zelt, andere setzen sich Rücken an Rücken auf den Boden.

Ruht euch jetzt aus oder schlaft.
(Passende Musik zur Urwaldszene: HB 4)

 

Lesetipp
- Margret Bieker: "Schattenspiel", in: Zeitschrift für Heilpädagogik  6/95, S. 288 ff.
- Dietrich Grünewald: "Schatten-Spiel" in: Kunst und Unterricht 12/1992, S. 33 ff.
- Gerd Haehnel: "menschen schatten spiele", in: Fragen und Versuche 38/1987, S. 22 f.
- Gerd Haehnel/Florian Söll: Wir spielen mit unseren Schatten, Seelze  2001
- Björn Tischler/Ruth Moroder-Tischler: Musik aktiv erleben, Frankfurt/Main 1993
- Bernd Kleyboldt: Spiel und Bewegung in Licht und Schatten, unveröffentlichtes Seminarpapier
- Gerd Haehnel:  www.menschenschattenspiel.de
- Ines Seumel/Roland Meinel: Workshop "Licht-Schatten-Kunst" (10-teilig) unter: www.rz.uni-leipzig.de/~studart/works1/

Auf der Heft-CD
HB 4: Guem et Zaka: La forêt vierge  (Musik zur Urwaldszene)

Auf musikpaedagogik-online.de
- Karteikartenvorlagen als PDF zur individuellen Gestaltung
- verschiedene tierische Klänge als Wave-Dateien aus dem Beitrag von Robin Berthold

 

 






Hyperlinks

Tiergeräusche
für die Gestaltung Ihrer Urwaldszene (o.a.) finden Sie beim Beitrag von Robin Berthold.

Downloads


Karteikarten des Rollenspiels zum Ausdrucken und Kopieren 542,5 KB (nur im Paket erhältlich)

© Schott Music | Impressum / Kontakt