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Oberschmidt, Jürgen

Mit Metaphern Wissen schaffen

Erkenntnispotentiale metaphorischen Sprachgebrauchs im Umgang mit Musik (Forum Musikpädagogik 98)


Verlag/Label: Wißner, Augsburg 2011
Rubrik: Bücher
erschienen in: Musik & Bildung 1/2012, Seite 87


Jürgen Oberschmidt setzt sich in seiner Dissertation mit Erkenntnispotenzialen metaphorischen Sprachgebrauchs auseinander und wertet diese in Bezug auf den Umgang mit Musik auf. Ausgehend von einer Kritik an der traditionellen Rhetorik, welche die Metapher als "Übertragung eines Wortes" (Aristoteles) bezeichnet, wird durch Bezugnahme auf die kognitive Metapherntheorie deren Erkenntniswert herausgestellt. Die Metapher wird so von einer Erscheinung der Sprache zu einer Erscheinung des Denkens. Aus musikalischer Sicht ist metaphorisches Sprechen also kein Ersatz für eine Fachsprache, sondern weist über diese hinaus. Sie ist ein auslösendes Moment für musikalisches Verstehen und bildet eine Brücke zwischen begrifflichem und ästhetischem Verstehen, Sinn und Gehalt, Sinn und Sinnlichkeit.
Jürgen Oberschmidt begibt sich in seiner Darstellung auf einen "schwankenden Boden" und ein "zerklüftetes Gelände", das nur schwer zu strukturieren ist, da seit der Antike viele unterschiedliche Ansätze zur Metapherntheorie in verschiedenen Disziplinen existieren. Die Gesamtdarstellung ist äußerst vielschichtig und es werden viele theoretische Positionen des komplexen Phänomens aufgezeigt und auf die Musik "übertragen" (griech.: meta-phorein). Diese abs­trakten und komplexen Zusammenhänge werden anhand von Unterrichtsbausteinen und Schülerzitaten aus der Unterrichtspraxis veranschaulicht. Das Buch ist anspruchsvoll geschrieben, und die Darstellung erschließt sich aufgrund der vielen Querverweise nicht unmittelbar. Sie ist teilweise selbst metaphorisch angelegt. Die Lektüre erfordert einen geduldigen Leser, der Zeit mitbringt, um die vielen Verweise und Fußnoten zu "verarbeiten". Trotz des hohen Abstrak­tionsgrads ist das Buch auch für die Unterrichtspraxis empfehlenswert, da der Einblick in die unterschiedlichen Ansätze zur Metapherntheorie anhand von Unterrichtsbeispielen konkretisiert wird.
Indirekt wird ein Musikunterricht gefordert, in dem das "metaphorische Sprechen" über musikalische Erfahrungen wieder mehr Bedeutung gewinnt und der Metapher ein hoher Erkenntniswert zugewiesen wird. Gerade in Zeiten eines "Primat des Singens und Musizierens" ist eine Besinnung auf die metaphorische Dimension der (musikalischen) Sprache begrüßenswert und sinnvoll.

Lars Oberhaus






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